Unsere sechs Schritte zur Einführung eines maschinellen Übersetzungsprogramms
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Unsere sechs Schritte zur Einführung eines maschinellen Übersetzungsprogramms

Sofern Sie die aktuellen Entwicklungen in der Lokalisierungstechnologie verfolgen, ist Ihnen die „Revolution“ in der maschinellen Übersetzung (MT) sicherlich nicht verborgen geblieben. Manche Branchenkenner behaupten, dass man mit MT so gut wie alles übersetzen könne – und das nicht nur schnell, sondern auch günstig. Andere vertreten dagegen die Auffassung, dass Arbeitsplätze in Gefahr seien, da MT mit menschlichen Übersetzern bereits gleichauf liege.

Unsere Einschätzung? Vergessen Sie den Hype. Betrachten wir stattdessen die Realität.

Es stimmt zwar, dass die maschinelle Übersetzung in den letzten Jahren immer besser geworden und über Plattformen wie Google Translate einem breiten Publikum zugänglich ist. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass sie unfehlbar ist. Vielmehr bildet sie nur einen von zahlreichen Bausteinen im Übersetzungsprozess und sollte niemals ohne menschliches Zutun verwendet werden.

Natürlich sind Maschinen kostengünstiger als Menschen; sie sind aber keine Rundumlösung, die sämtlichen Übersetzungsanforderungen gleichermaßen gerecht wird. Für die Suche nach der passenden Formulierung und die Qualitätssicherung werden Sie auch in Zukunft noch Geld in die Hand nehmen müssen. Das größte Missverständnis ist allerdings, dass sich die MT von Bedienungsanleitungen bis hin zu Werbematerialien angeblich für jedes beliebige Übersetzungsprojekt eigne.

Deshalb haben wir ein sechsstufiges Verfahren entwickelt, mit dem Sie herausfinden können, ob sich die maschinelle Übersetzung für Ihr Lokalisierungsprojekt eignet, bevor Sie voreilig auf diesen Zug aufspringen.

Schritt 1: Inhaltsanalyse

Der erste Schritt besteht in der Einordnung des Textinhalts und des Kommunikationszwecks. Dabei lassen sich alle Inhalte in eine von vier Kategorien einordnen, die sich in ihrem emotionalen Gewicht voneinander unterscheiden.

  1. Informieren: Informationstexte haben keinerlei emotionalen Anspruch. Sie sollen den Lesern zügig Informationen vermitteln, die mitunter auch benutzerseitig erzeugt werden. Beispiele hierfür sind Posts in den sozialen Medien oder Produktrezensionen.
  2. Anleiten: Diese Texte enthalten Erläuterungen oder Anweisungen in schlichter, emotionsfreier Sprache. Beispiele für solche Texte sind Produktbeschreibungen und FAQs.
  3. Interagieren: Zu dieser Kategorie gehören Inhalte, die Benutzerschnittstellen enthalten und Benutzer durch ein Angebot leiten, damit diese z. B. Produkte in einen Warenkorb legen können. Beispiele hierfür sind Apps und Shopping-Seiten.
  4. Inspirieren/Beeinflussen: Hier geht es um emotional ansprechende Werbe- und Vertriebstexte. Beispiele für diese Kategorie sind Internetseiten und Werbung.

Der Zweck, den Sie mit Ihren Texten verfolgen, prägt auch die Auswahl der sprachlichen Mittel und gibt den Ausschlag zwischen einfacher Sprache und markenbezogenen, kreativen Inhalten. Und je kreativer diese Inhalte ausfallen, desto riskanter ist die maschinelle Übersetzung.

Informative und anleitende Texte eignen sich dagegen hervorragend für die MT, da den Lesern lediglich ein allgemeines Verständnis der Bedeutung vermittelt werden muss. Dennoch erfordern sie je nach gewünschter Übersetzungsqualität unter Umständen eine zusätzliche Nachbearbeitung durch einen Menschen. Auf Interaktion ausgelegte Inhalte sollten indes immer von einem Menschen überprüft werden, um sicherzustellen, dass die Navigation für die Benutzer verständlich ist.

Wer seine Leser jedoch wirklich ansprechen oder emotionale Reaktionen bei ihnen hervorrufen möchte, sollte auf die Möglichkeit der Transkreation zurückgreifen oder den Text direkt in der Zielsprache formulieren. Für sensible und markenspezifische Inhalte empfehlen wir, grundsätzlich von einer maschinellen Übersetzung abzusehen, sofern Ihnen eine zügige Fertigstellung nicht wichtiger als die Qualität ist. (Natürlich können Sie maschinelle Übersetzung, die Überprüfung durch einen Menschen und Benutzerakzeptanztests auch miteinander kombinieren, um eine besonders hohe Qualität zu erzielen. Zuvor sollten Sie sich jedoch gründlich überlegen, ob Sie damit im Vergleich zu einer menschlichen Übersetzung tatsächlich Kosteneinsparungen erzielen.)

Schritt 2: Geschäftsziele formulieren

Nach der inhaltlichen Einordnung müssen Sie entscheiden, wo und wie die maschinelle Übersetzung eingesetzt werden soll. Dabei reicht es keineswegs aus, die MT einfach für alle Inhalte aus den ersten beiden oben genannten Kategorien (Informieren und Anleiten) einzusetzen. Vielmehr benötigt Ihr Sprachdienstleister von Ihnen konkrete Geschäftsziele, die mit der MT erreicht werden können.

So möchten Sie möglicherweise nur umfangreiche Texte (wie Rezensionen oder Produktbeschreibungen) oder nur Sprachenpaare übersetzen lassen, für die Ihre eigenen Ressourcen nicht ausreichen. Vielleicht wollen Sie die übersetzten Texte lediglich unterversorgten Märkten (oder unterbesetzten Geschäftsbereichen wie dem Kundenservice) anbieten – egal ob sie perfekt sind oder nicht. Falls Ihr Hauptziel die Entlastung Ihres Callcenters ist, benötigen Sie gegebenenfalls eine höhere Qualitätsstufe. So können Sie sicherstellen, dass die Übersetzungen fehlerfrei und leicht verständlich sind.

Entscheidend ist, dass Sie konkrete Geschäftsziele für die einzelnen Inhalte bestimmen und eine geeignete maschinelle Übersetzungstechnologie anwenden. Diese muss auf bestimmte Anwendungsszenarien und Sprachenpaare ausgelegt sein. Und selbst dann können Sie sich bis zum Ende nie ganz sicher sein, ob die MT tatsächlich gute Arbeit leisten wird.

Schritt 3: Pilotversuch

Vor dem MT-Pilotversuch – bei dem geprüft wird, wie gut die ausgewählte MT-Engine die Übersetzungen in bestimmte Sprachen bewältigt – müssen Sie Ihre eigenen Erwartungen klären. Welche Erfolgskriterien gelten für Sie beispielsweise in Sachen Übersetzungsqualität? Kommt es auf die Schnelligkeit an? Ihr Sprachdienstleister hilft Ihnen gerne bei der Auswahl geeigneter Kriterien.

Dann wird der Pilotversuch durchgeführt. Ihr Sprachdienstleister entscheidet, welche Engines ausprobiert werden, wendet sie auf eine Dateiauswahl (eine repräsentative Stichprobe Ihrer Inhalte) an und gleicht die Ergebnisse dann mit einer von Ihnen für gut befundenen menschlichen Übersetzung ab.

Für den Pilotversuch kommen beispielsweise englischsprachige FAQ-Artikel infrage, zu denen bereits eine deutsche Übersetzung vorliegt, die Ihren Qualitätsanforderungen genügt. Ihr Sprachdienstleister bewertet anschließend die Ergebnisse unterschiedlicher MT-Engines und erhebt im Laufe des Verfahrens kontinuierlich Daten. Anschließend wird ermittelt, welche Engine der Qualität der deutschen Übersetzungen am nächsten kommt.

Schritt 4: Ergebnisauswertung

Auf Grundlage der in Schritt 3 erhobenen Daten legt Ihr Sprachdienstleister fest, welche MT-Engines Sie bei der Erfüllung Ihrer Geschäftsziele am besten unterstützen können. Mit einer Mischung aus menschlicher und maschineller Qualitätsanalyse kann ermittelt werden, welche Engines Ihren Qualitätsanforderungen entsprechen.

Gewinner ist die Engine, die der Qualität des von Menschen übersetzten Referenzmaterials am nächsten kommt. Standardlösungen gibt es nicht – denn die unterschiedlichen MT-Engines eignen sich unter Umständen nur für bestimmte Sprachenpaare und Inhalte. Ihr maschinelles Übersetzungsprogramm kann daher auch mehrere Engines parallel verwenden.

Erfüllt keine der maschinellen Übersetzungen Ihre Anforderungen, sind Sie möglicherweise noch nicht bereit für MT. Eigentlich müsste es heißen: Die maschinelle Übersetzung ist noch nicht bereit für Sie, da sie die von Ihnen gewünschte Qualität noch nicht erreicht. (Das ist überhaupt kein Problem! Denn Sie haben auch noch andere Möglichkeiten.)

Möglicherweise ist eine maschinelle Übersetzung aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen. Sie können weitere Tests durchführen und verschiedene Engines, Inhalte und Sprachen ausprobieren. So stößt die MT bei Sprachen, die sich strukturell stark vom Englischen unterscheiden (wie Russisch und Ungarisch), oft an ihre Grenzen, während sie bei Übersetzungen ins Spanische, Italienische und Französische bessere Ergebnisse erzielt.

Schritt 5: Anwendung der passenden Engines

Hervorragend! Sie sind kurz davor, die maschinelle Übersetzung für sich zu nutzen. Nun sollten Sie Ihre MT-Engine(s) auswählen, sie für die gewünschten Sprachen einrichten, ein MTPE-Programm (Nachbearbeitung maschineller Übersetzungen) aufstellen und Ihre Projektmanager in die Prozesse einweisen.

Jetzt stehen einige wichtige Entscheidungen an: Wie wollen Sie die MT in Ihre bestehenden Abläufe und Ihr Übersetzungsmanagement einbinden? Wollen Sie die MT lokal oder in der Cloud nutzen? Und wie viele Überarbeitungsschritte müssen Ihre Übersetzungen in den einzelnen Märkten durchlaufen? Diese und viele weitere Fragen wollen beantwortet werden. Gemeinsam mit Ihrem Sprachdienstleister entscheiden Sie, wie die maschinelle Übersetzung eingeführt werden soll, und entwickeln einen passenden Fahrplan.

Schritt 6: Optimierung, Bereinigung, Wiederholung

Auch wenn Sie sich für ein MT-System entschieden haben, das Ihren aktuellen Anforderungen gerecht wird, kann dieses möglicherweise nicht mit Ihrem langfristigen Unternehmenswachstum Schritt halten. Denken Sie an den Schuhkauf. Am Anfang sitzen sie perfekt; mit der Zeit stellen Sie dann aber Druck- und Verschleißstellen fest und erkennen, dass sie keineswegs so perfekt sind, wie Sie zunächst angenommen haben.

Was wir damit sagen wollen? Auch wenn manche Firmen etwas anderes behaupten, ist die maschinelle Übersetzung keine Wunderwaffe. Vielmehr ist sie ein Präzisionsskalpell. Außerdem ist zu bedenken, dass sich die Technologie mit der Zeit noch weiterentwickeln wird.

Bei RWS Moravia sind wir zwar davon überzeugt, dass jedes wachsende Lokalisierungsprogramm Technologien nutzen sollte, um seinen Zielen näher zu kommen, möglichst viele Sprachen abzudecken, große Textmengen zu bewältigen, Kosten zu reduzieren und die Qualität zu verbessern. Dennoch erfordert die maschinelle Übersetzung eine kontinuierliche Überprüfung, Analyse und Optimierung. Wir hoffen, Ihnen mit diesen sechs Schritten dabei zu helfen, die Eignung der maschinellen Übersetzung für Ihr Unternehmen besser einschätzen zu können. Falls Sie Fragen zu den einzelnen Etappen der Planung und Einführung maschineller Übersetzung haben, können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden.