Die Rolle der MT und ihre Einsatzgebiete

No comments yet

Die Bedeutung Maschineller Übersetzungs­systeme im Übersetzungs­alltag nimmt stetig zu. Die offen­sicht­lichen Gründe hierfür sind die Wün­sche nach günstigeren Preisen und kürzeren Liefer­zeiten. Eine große Rolle spielt aber auch die schier un­fassbare Daten­menge, in Form einer wahren In­formations­flut. Zu diesen Daten gehören zum einen klassische Textsorten wie Technische Doku­men­tationen, Betriebs­anlei­tungen oder Produkt­informationen, zum anderen aber auch vor allem Daten, die im Internet produziert werden, in Foren, sozialen Netzwerken oder auf Online-Shopping-Webseiten. Überall dort werden Daten produziert, die oftmals in verschiedenen Sprachen vorliegen müssen, weil die Informationen von ihren Rezipienten in ihrer jeweiligen Sprache erwartet werden. Auf dem klassischen Übersetzungs­weg ist diese Daten­menge nicht mehr zu be­arbeiten.

Kann die Maschinelle Übersetzung dabei mithelfen diese Datenflut zu bewältigen? Die kurze Antwort: sie kann. Eine etwas längere Antwort: in mehrerer Hinsicht. Um diese Antwort auszuführen, müssen die Einsatz­gebiete Maschineller Übersetzungs­systeme erklärt werden.
Maschinelle Übersetzungssysteme können Webseiten on-the-fly in die Zielsprache übersetzen. Dies ist insbesondere dann nützlich, wenn Inhalte übersetzt werden, die häufigen Änderungen und Ergänzungen unterliegen, wie zum Beispiel Inhalte von Foren oder sozialen Netzwerken.

Ein weiterer Einsatzbereich ist die Informations­übersetzung, das sogenannte Gisting. Hier ist es lediglich das Ziel, das Kernthema und die Inhalte des Textes zu erfassen. Die sprachliche Korrektheit im Detail steht in diesem Fall nicht im Vordergrund. Häufig wird in diesem Szenario auf die Online-Übersetzer von Google oder Microsoft verwiesen, bei deren Nutzung aber stets der Beigeschmack der nicht bekannten Datenverwendung mitschwingt. Hierbei ist ggf. die Datensicherheit nicht gewährleistet, da nicht bekannt ist, ob und wie die an das Übersetzungssystem gesendeten Daten weiterverarbeitet werden.

Sollen Texte in einer oder mehreren Zielsprachen publiziert werden und kommt es dabei nicht nur auf die inhaltliche, sondern auch auf die sprachliche Richtigkeit an, so eignet sich der Einsatz der Maschinellen Übersetzung in Kombination mit Post Editing. Dabei führt das maschinelle Übersetzungssystem in den häufigsten Fällen eine komplette Vor­über­setzung des Textes durch und der Post Editor überarbeitet diese Texte, d.h. er korrigiert inhaltliche und sprachliche Defizite. Allen an diesem Prozess Beteiligten muss jedoch klar sein, dass MT plus Post Editing nicht einfach nur die „günstige Variante“ einer Übersetzung ist. Übersetzer und Auftraggeber müssen sich bewusst machen, dass Post Editing ein anderes Handwerk als Übersetzen ist. Während sich ein Übersetzer am Quelltext orientiert, ist der Zieltext die Basis für die Arbeit eines Post Editors. Für die Qualität des Zieltextes ist der Auftraggeber in hohem Maße mitverantwortlich, denn er gibt vor, wie viel Aufwand in das Post Editing gesteckt werden soll, und definierte damit die erreichbare Qualität des Ergebnisses. In einem Styleguide legt er fest, welche Kriterien erfüllt sein müssen, beispielsweise die konsistente Nutzung bestimmter Terminologie.

Maschinelle Übersetzung ist auf dem Weg sein Nischendasein zu verlassen und wird sich aller Voraussicht nach zu einem Standard­werkzeug für die Bereitstellung von Übersetzungen entwickeln. Dabei wird sie jedoch die klassische Übersetzung nicht ersetzen, sondern neue Möglichkeiten insbesondere im Hinblick auf steigende Volumina, schnellere Verfügbarkeit und begrenzte Budgets schaffen. Für die Akteure im Übersetzungs­geschäft bedeutet dies also nicht nur Risiko sondern vor allem auch die Chance auf Weiterentwicklung.

Weitere Informationen zu den Einsatzmöglichkeiten der maschinellen Übersetzung erhalten Sie auch von Herrn Patrick Beßler vom im aktuellen Professional Services Team der RWS Language Solutions.