Aktive Terminologieerkennung im Übersetzungsprozess

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Viele Translation-Memory-Systeme unter­stützen den Übersetzer durch aktive Terminologie­erkennung. Dies beschleunigt den Übersetzungs­prozess und reduziert Terminologie­fehler.

Aktive Terminologieerkennung von Translation Memory-Systemen (TMS) bedeutet, dass das TMS in dem zu über­setzenden Quell­text nach Worten sucht, für die es Einträge in der Terminologie­datenbank gibt. Dann werden dem Übersetzer die zielsprachigen Benennungen vorgeschlagen. Diese Funktion erleichtert dem Übersetzer die korrekte Anwendung vorgegebener Terminologie.

Auch qualifizierte Übersetzer kennen das Problem, dass nach der Übersetzung Terminologie­fehler reklamiert werden. Dies liegt oft nicht daran, dass der Übersetzer hier etwas falsches übersetzt hat, sondern er hat eine ziel­sprachige Benennung verwendet, die zwar richtig wäre, für die der Kunde jedoch eine andere Benennung wünscht. Gerade qualifizierte Übersetzer haben hier ein Problem. Sie haben für viele Begriffe eine richtige Übersetzung im Kopf. Vor allem wegen der oft knappen Bearbeitungs­zeit über­prüfen sie dann nicht mehr die Über­setzung gegen ein Wörterbuch oder ein separates Glossar.

Die aktive Terminologieerkennung hilft hier durch proaktives Vorschlagen der gewünschten Übersetzung. In einigen TMS wird sogar die zielsprachige Benennung direkt in den zu übersetzenden Zieltext eingeblendet (AutoSuggest). Für den Übersetzer ist nunmehr leicht die gewünschte Benennung in die Übersetzung einzubauen.

Die Grundvoraussetzung für den Einsatz dieser nützlichen Funktion ist natürlich eine geprüfte Terminologie­datenbank. Zusätzlich ist es zumeist erforderlich, dass die Terminologie­datenbank zu dem eingesetzten TMS passt. Praktisch alle TMS verfügen daher über eine Terminologie­kompenente.

Es empfiehlt sich daher schon bei der Auswahl eines Terminologiedatenbanksystems die spätere Anbindung an das eingesetzte TMS zu berücksichtigen. So können spätere aufwändige Konvertierungen der Terminologie­bestände vermieden werden. Auch ist zu bedenken, dass Terminologie­datenbank­systeme unterschiedlich konzipiert sind. Es ist nicht möglich, alle Details einer Terminologie verlustfrei von einem Datenbank­system in jedes andere zu überführen.

Revision, Review oder Korrekturlesen, was ist das eigentlich?

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Die Begrifflichkeiten für die verschiedenen Tätigkeiten bei der Qualitätssicherung von Übersetzungen gehen manchmal ziemlich durcheinander. Hier nun Definitionen, die sich auch in den aktuellen Normen wiederfinden lassen.

Eine der wichtigen Normen für Übersetzungsprozesse ist die ISO 17100. Im Zuge der Weiterentwicklung von der EN 15038 sind einige Definitionen ergänzt oder präzisiert worden. Dies erleichtert es, die verschiedenen Tätigkeiten bzw. Prozesse im Bereich der Qualitätssicherung voneinander abzugrenzen.

Begriff Definition Quelle
Kontrolle Überprüfung eines übersetzten Textes durch den Übersetzer selbst. ISO 17100
Revision Überprüfung eines Übersetzten Textes durch eine zweite Person im Vergleich von Ausgangs- und Zieltext. ISO 17100
Fachliche Prüfung (Review) Überprüfung des zielsprachlichen Textes auf die Eignung für den vereinbarten Zweck. ISO 17100
Korrekturlesung Überprüfung des zielsprachlichen Textes nach der Revision vor einer Veröffentlichung. ISO 17100
Verifizierung Überprüfung auf Einhaltung der vereinbarten Spezifikationen. ISO 17100
Korrekturmaßnahme Beseitigung von Fehlern im zielsprachlichen Text oder in Prozessen ISO 17100

Neben diesen Begriffen gibt es natürlich noch eine Vielzahl weiterer Tätigkeiten, wie Lektorat, Editing, Fahnenkorrektur, … Bei Verwendung dieser oder weiterer Begriffe empfiehlt es sich, die damit verbundenen Tätigkeiten und Anforderungen genau zu definieren um Missverständnisse vorzubeugen.

In einem interessanten Artikel aus 2014 berichtet Alexander Künzli über die Begrifflichkeiten rund um die Prozesse der Übersetzungsrevision, sowie über über Umsetzung und Relevanz für Übersetzungsprozesse. Während damals noch auf die EN 15038 referenziert wurde, hat die Nachfolgenorm ISO 17100 hier nun für deutlich mehr Klarheit auch in den Begrifflichkeiten gesorgt.

Weitere Informationen:

Mit agilem Übersetzungsmanagement das Time-To-Market verkürzen

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Je früher ein Produkt dem Markt zur Ver­fügung steht, desto höher sind die erziel­baren Erlöse. Diese Aus­sage gilt besonders für eine glo­bale Ver­marktung. Ein wich­tiger Meilen­stein für eine globale Markt­einführung ist die Ver­fügbarkeit der tech­nischen Doku­mentation und der Mar­keting-Materialien in den er­forderlichen Spra­chen. Mit agilem Über­setzungs­­management kann das Time-To-Market (TTM) wesentlich ver­kürzt werden.

Während beim klassischen sequentiellen Übersetzungs­management die Übersetzungen erst nach Fertig­stellung kompletter Dokumente beginnen, werden beim agilen Übersetzungs­management zu definierten Zeitpunkten alle erstellten Texte in die Übersetzung gegeben. Zu jedem folgenden Meilenstein werden alle neuen und geänderten Texte in die Übersetzung gegeben. Durch den Einsatz moderner Translation-Memory-Systeme (TMS) können die bereits übersetzten Texte effizient wiederverwendet werden. Am Ende jeder Phase stehen für alle Texte die aktuellen Übersetzungen zur Verfügung. Zur Fertigstellung der Dokumente müssen dann nur noch die Inhalte übersetzt werden, die in der letzten Phase neu erstellt oder geändert wurden.

Mehraufwand würde beispielsweise durch die Übersetzung von Texten entstehen, die später im re­daktionellen Pro­zess wieder gelöscht werden. Durch den frühzeitigen Beginn der Übersetzungen hingegen, werden Kapazitäten für die Optimierung der Übersetzungsqualität und Lieferpünktlichkeit frei.

Agiles Übersetzungs­management eignet sich sowohl für die Übersetzung klassischer Dokumente als auch für den Einsatz mit Textbausteinen aus Content-Management-Systemen (CMS).

Neben der früheren Fertigstellung der Übersetzungen eröffnet agiles Übersetzungs­management auch zusätzliche Zeitfenster für die Durchführung von Qualitätssicherungs­maßnahmen wie beispielsweise In-Country-Reviews oder die vorbereitende Aufbereitung der Terminologie.

Die Vorteile im Überblick:

  • Kürzeres Time-To-Market (TTM)
  • Höhere Übersetzungsqualität durch mehr Vorbereitungszeit und mehr Bearbeitungszeit
  • Zeit für Feedback durch die Übersetzer bei Unklarheiten in den Quelltexten
  • Sichere Termineinhaltung und weniger Stress bei allen Beteiligten

 

Das Muttersprachler-Prinzip

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Die Frage, ob ein Übersetzer Muttersprachler ist, resultiert aus der Erfahrung, dass die meisten Menschen Sprache intuitiv benutzen. Oft weiß man nicht so genau, warum etwas auf eine bestimmte Art und Weise formuliert wird, man spürt aber schnell, wenn ein anderer ein „falsches Wort“ oder eine „merkwürdige Formulierung“ verwendet. Selbst Übersetzer, die sich durch ihre Ausbildung intensiv mit Sprachen beschäftigt haben, zudem ihr tägliches Brot damit verdienen und von denen man vermutet, dass sie allgemein über sprachliches Talent verfügen, können dieses Fremdeln bei Formulierungen in der Fremdsprache nicht immer vermeiden.

Dabei lockt einen der Begriff Muttersprache jedoch auf eine falsche Fährte. Eigentlich geht es um die Sprache, die Kinder als erstes lernen und in der sie in der Folge die meiste Erfahrung sammeln. Dies ist zwar oft auch die Sprache der Mutter oder allgemeiner der Eltern, in der heutigen Zeit gibt es aber eine Vielzahl von Umständen die diesen direkten Bezug in Frage stellen. So wachsen viele Kinder nicht mehr in ihren Heimatländern auf und stehen somit im Zwiespalt zwischen der Sprache ihrer Eltern und der Sprache ihrer Umgebung. Die für die Eltern zunächst fremde Sprache ist bei diesen Kindern durch Medien, soziale Kontakte und Schule oft präsenter als die im Elternhaus gesprochene Sprache.

In Zeiten der Globalisierung wachsen Kinder oft auch in Familien auf, in denen ihre Eltern unterschiedliche Sprachen sprechen, die vielleicht nicht einmal der Sprache des Landes entsprechen, in dem die Familie wohnt.

Man spricht daher heutzutage eher von der Erstsprache oder dem ersten Spracherwerb. Hierbei werden weitere Kriterien wie die Schulbildung, die berufliche Ausbildung und die im Studium angewandten Sprachen berücksichtigt. Besonders für Übersetzer von Gebrauchstexten, bei denen eine adäquate Terminologieverwendung in der Zielsprache erwartet wird, sind zudem die Erfahrungen im Sachgebiet der Übersetzung wichtiger als diejenigen aus der Schulzeit. In der ISO 17100 wird daher nicht direkt auf die Muttersprache abgestellt, sondern es werden angemessene Kenntnisse sowohl in der Ausgangs- als auch in der Zielsprache gefordert. Diese Anforderungen werden zumeist von denjenigen Übersetzern am besten erfüllt, bei denen die Erstsprache auch die Muttersprache ist und die zusätzlich die wichtigen Erfahrungen im Sachgebiet in der jeweiligen Sprache erlangt haben.

Die Muttersprache, also eigentlich die Erstsprache, ist ein wichtiges Kriterium für die Auswahl von Übersetzern, muss jedoch differenziert betrachtet und durch weitere Qualifikationskriterien ergänzt werden. Diese Kriterien sowie deren Erfüllung dokumentieren wir für jeden einzelnen Übersetzer in Übersetzerprofilen, die wiederum die Grundlage für die Auswahl der von uns für einen bestimmten Auftrag eingesetzten Übersetzer darstellen.

Qualität, Zeit oder Geld – Was hat Priorität?

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Das magische Dreieck der nicht komplett vereinbarten Ziele von Qualität, Zeit oder Geld kennt wahrscheinlich fast jeder. Doch was hilft dies, wenn man in der konkreten Situation steht und entscheiden muss, wo denn die Priorität nun wirklich liegt. Hierfür braucht es dann ein einfaches Werkzeug um schnell eine Entscheidung treffen zu können.

Bei der Beauftragung von Übersetzungen stellt sich die Frage nach der Priorisierung häufiger, als es einem lieb sein kann. Eilige Aufträge bei gleichzeitig hohen Anforderungen und begrenztem Budget sind eher Alltag als Ausnahme. Dies gilt natürlich sowohl für uns als Dienstleister als auch für unsere Auftraggeber. Mit folgenden Fragen kann man sich selbst helfen, die Frage nach der Priorität zu beantworten.

  • Wenn bei einem Auftrag der Liefertermin nicht ohne weiteres eingehalten werden kann, bin ich dann bereit Einbußen bei der Qualität hinzunehmen, wenn dafür der Termin eingehalten werden würde?
  • Bin ich bereit mehr Geld auszugeben, um entweder die Qualität zu verbessern oder die Lieferung früher zu erhalten?

Mit der ersten Frage kann die Priorisierung in Bezug auf Qualität und Zeit festgelegt werden. Dieses muss natürlich nicht für alle Aufträge gelten, sondern kann von Auftrag zu Auftrag neu beurteilt und entschieden werden. Die Entscheidung zwischen Qualität und Zeit ist dabei eine eher qualitative Frage. Bei entsprechender Vorbereitung bspw. durch verfügbare Terminologie oder Style Guides, leicht übersetzbaren Ausgangstexten und dem rechtzeitigen Aufbau ausreichender Kapazitäten stellt sich diese Frage natürlich viel seltener. Und selbst bei einer Entscheidung für eine frühere Lieferung darf die Qualität natürlich nicht so leiden, dass die Übersetzung an sich nicht mehr für den Verwendungszweck geeignet wäre.

Beispielsweise könnte eine Übersetzung ohne Revision erstellt werden, um eine frühere Lieferung zu ermöglichen. In der Folge ist allerdings mit einer höheren Fehleranzahl in den Übersetzungen zu rechnen. Auch ist zu beachten, dass die Übersetzung dann nicht mehr konform zur ISO 17100 wäre.

Mit der Entscheidung zwischen Qualität oder Zeit bleibt noch die Einordnung des Faktors Geld. Mit zusätzlichem Aufwand, der in der Folge jedoch auch höhere Kosten mit sich bringt, lassen sich ggf. zu erwartende Einbußen in der Qualität reduzieren oder ggf. auch Prozesse bspw. durch den Einsatz zusätzlicher Übersetzer beschleunigen. Durch die Aufteilung eines Auftrages auf mehrere Übersetzer kann früher geliefert werden, es ist aber zu erwarten, dass es Inkonsistenzen zwischen den beteiligten Übersetzern geben wird. Dieser Effekt lässt sich aber durch den Einsatz zusätzlicher Korrektoren oder Terminologen vermindern, die die anderen Übersetzer unterstützen und die Konsistenz wieder verbessern. Der Einsatz zusätzlicher Bearbeiter bedeutet aber einen höheren Aufwand mit den damit verbundenen Kosten.

Die Beantwortung der beiden Grundfragen reicht in der Praxis oft aus, um die Priorisierung der Ziele so festzulegen, dass in der Folge die für diesen Auftrag passenden Prozesse und Ressourcen kalkuliert und erfolgreich umgesetzt werden können.

Die Rolle der MT und ihre Einsatzgebiete

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Die Bedeutung Maschineller Übersetzungs­systeme im Übersetzungs­alltag nimmt stetig zu. Die offen­sicht­lichen Gründe hierfür sind die Wün­sche nach günstigeren Preisen und kürzeren Liefer­zeiten. Eine große Rolle spielt aber auch die schier un­fassbare Daten­menge, in Form einer wahren In­formations­flut. Zu diesen Daten gehören zum einen klassische Textsorten wie Technische Doku­men­tationen, Betriebs­anlei­tungen oder Produkt­informationen, zum anderen aber auch vor allem Daten, die im Internet produziert werden, in Foren, sozialen Netzwerken oder auf Online-Shopping-Webseiten. Überall dort werden Daten produziert, die oftmals in verschiedenen Sprachen vorliegen müssen, weil die Informationen von ihren Rezipienten in ihrer jeweiligen Sprache erwartet werden. Auf dem klassischen Übersetzungs­weg ist diese Daten­menge nicht mehr zu be­arbeiten.

Kann die Maschinelle Übersetzung dabei mithelfen diese Datenflut zu bewältigen? Die kurze Antwort: sie kann. Eine etwas längere Antwort: in mehrerer Hinsicht. Um diese Antwort auszuführen, müssen die Einsatz­gebiete Maschineller Übersetzungs­systeme erklärt werden.
Maschinelle Übersetzungssysteme können Webseiten on-the-fly in die Zielsprache übersetzen. Dies ist insbesondere dann nützlich, wenn Inhalte übersetzt werden, die häufigen Änderungen und Ergänzungen unterliegen, wie zum Beispiel Inhalte von Foren oder sozialen Netzwerken.

Ein weiterer Einsatzbereich ist die Informations­übersetzung, das sogenannte Gisting. Hier ist es lediglich das Ziel, das Kernthema und die Inhalte des Textes zu erfassen. Die sprachliche Korrektheit im Detail steht in diesem Fall nicht im Vordergrund. Häufig wird in diesem Szenario auf die Online-Übersetzer von Google oder Microsoft verwiesen, bei deren Nutzung aber stets der Beigeschmack der nicht bekannten Datenverwendung mitschwingt. Hierbei ist ggf. die Datensicherheit nicht gewährleistet, da nicht bekannt ist, ob und wie die an das Übersetzungssystem gesendeten Daten weiterverarbeitet werden.

Sollen Texte in einer oder mehreren Zielsprachen publiziert werden und kommt es dabei nicht nur auf die inhaltliche, sondern auch auf die sprachliche Richtigkeit an, so eignet sich der Einsatz der Maschinellen Übersetzung in Kombination mit Post Editing. Dabei führt das maschinelle Übersetzungssystem in den häufigsten Fällen eine komplette Vor­über­setzung des Textes durch und der Post Editor überarbeitet diese Texte, d.h. er korrigiert inhaltliche und sprachliche Defizite. Allen an diesem Prozess Beteiligten muss jedoch klar sein, dass MT plus Post Editing nicht einfach nur die „günstige Variante“ einer Übersetzung ist. Übersetzer und Auftraggeber müssen sich bewusst machen, dass Post Editing ein anderes Handwerk als Übersetzen ist. Während sich ein Übersetzer am Quelltext orientiert, ist der Zieltext die Basis für die Arbeit eines Post Editors. Für die Qualität des Zieltextes ist der Auftraggeber in hohem Maße mitverantwortlich, denn er gibt vor, wie viel Aufwand in das Post Editing gesteckt werden soll, und definierte damit die erreichbare Qualität des Ergebnisses. In einem Styleguide legt er fest, welche Kriterien erfüllt sein müssen, beispielsweise die konsistente Nutzung bestimmter Terminologie.

Maschinelle Übersetzung ist auf dem Weg sein Nischendasein zu verlassen und wird sich aller Voraussicht nach zu einem Standard­werkzeug für die Bereitstellung von Übersetzungen entwickeln. Dabei wird sie jedoch die klassische Übersetzung nicht ersetzen, sondern neue Möglichkeiten insbesondere im Hinblick auf steigende Volumina, schnellere Verfügbarkeit und begrenzte Budgets schaffen. Für die Akteure im Übersetzungs­geschäft bedeutet dies also nicht nur Risiko sondern vor allem auch die Chance auf Weiterentwicklung.

Weitere Informationen zu den Einsatzmöglichkeiten der maschinellen Übersetzung erhalten Sie auch von Herrn Patrick Beßler vom im aktuellen Professional Services Team der RWS Language Solutions.