Qualität, Zeit oder Geld – Was hat Priorität?

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Das magische Dreieck der nicht komplett vereinbarten Ziele von Qualität, Zeit oder Geld kennt wahrscheinlich fast jeder. Doch was hilft dies, wenn man in der konkreten Situation steht und entscheiden muss, wo denn die Priorität nun wirklich liegt. Hierfür braucht es dann ein einfaches Werkzeug um schnell eine Entscheidung treffen zu können.

Bei der Beauftragung von Übersetzungen stellt sich die Frage nach der Priorisierung häufiger, als es einem lieb sein kann. Eilige Aufträge bei gleichzeitig hohen Anforderungen und begrenztem Budget sind eher Alltag als Ausnahme. Dies gilt natürlich sowohl für uns als Dienstleister als auch für unsere Auftraggeber. Mit folgenden Fragen kann man sich selbst helfen, die Frage nach der Priorität zu beantworten.

  • Wenn bei einem Auftrag der Liefertermin nicht ohne weiteres eingehalten werden kann, bin ich dann bereit Einbußen bei der Qualität hinzunehmen, wenn dafür der Termin eingehalten werden würde?
  • Bin ich bereit mehr Geld auszugeben, um entweder die Qualität zu verbessern oder die Lieferung früher zu erhalten?

Mit der ersten Frage kann die Priorisierung in Bezug auf Qualität und Zeit festgelegt werden. Dieses muss natürlich nicht für alle Aufträge gelten, sondern kann von Auftrag zu Auftrag neu beurteilt und entschieden werden. Die Entscheidung zwischen Qualität und Zeit ist dabei eine eher qualitative Frage. Bei entsprechender Vorbereitung bspw. durch verfügbare Terminologie oder Style Guides, leicht übersetzbaren Ausgangstexten und dem rechtzeitigen Aufbau ausreichender Kapazitäten stellt sich diese Frage natürlich viel seltener. Und selbst bei einer Entscheidung für eine frühere Lieferung darf die Qualität natürlich nicht so leiden, dass die Übersetzung an sich nicht mehr für den Verwendungszweck geeignet wäre.

Beispielsweise könnte eine Übersetzung ohne Revision erstellt werden, um eine frühere Lieferung zu ermöglichen. In der Folge ist allerdings mit einer höheren Fehleranzahl in den Übersetzungen zu rechnen. Auch ist zu beachten, dass die Übersetzung dann nicht mehr konform zur ISO 17100 wäre.

Mit der Entscheidung zwischen Qualität oder Zeit bleibt noch die Einordnung des Faktors Geld. Mit zusätzlichem Aufwand, der in der Folge jedoch auch höhere Kosten mit sich bringt, lassen sich ggf. zu erwartende Einbußen in der Qualität reduzieren oder ggf. auch Prozesse bspw. durch den Einsatz zusätzlicher Übersetzer beschleunigen. Durch die Aufteilung eines Auftrages auf mehrere Übersetzer kann früher geliefert werden, es ist aber zu erwarten, dass es Inkonsistenzen zwischen den beteiligten Übersetzern geben wird. Dieser Effekt lässt sich aber durch den Einsatz zusätzlicher Korrektoren oder Terminologen vermindern, die die anderen Übersetzer unterstützen und die Konsistenz wieder verbessern. Der Einsatz zusätzlicher Bearbeiter bedeutet aber einen höheren Aufwand mit den damit verbundenen Kosten.

Die Beantwortung der beiden Grundfragen reicht in der Praxis oft aus, um die Priorisierung der Ziele so festzulegen, dass in der Folge die für diesen Auftrag passenden Prozesse und Ressourcen kalkuliert und erfolgreich umgesetzt werden können.

Das Muttersprachler-Prinzip

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Die Frage, ob ein Übersetzer Muttersprachler ist, resultiert aus der Erfahrung, dass die meisten Menschen Sprache intuitiv benutzen. Oft weiß man nicht so genau, warum etwas auf eine bestimmte Art und Weise formuliert wird, man spürt aber schnell, wenn ein anderer ein „falsches Wort“ oder eine „merkwürdige Formulierung“ verwendet. Selbst Übersetzer, die sich durch ihre Ausbildung intensiv mit Sprachen beschäftigt haben, zudem ihr tägliches Brot damit verdienen und von denen man vermutet, dass sie allgemein über sprachliches Talent verfügen, können dieses Fremdeln bei Formulierungen in der Fremdsprache nicht immer vermeiden.

Dabei lockt einen der Begriff Muttersprache jedoch auf eine falsche Fährte. Eigentlich geht es um die Sprache, die Kinder als erstes lernen und in der sie in der Folge die meiste Erfahrung sammeln. Dies ist zwar oft auch die Sprache der Mutter oder allgemeiner der Eltern, in der heutigen Zeit gibt es aber eine Vielzahl von Umständen die diesen direkten Bezug in Frage stellen. So wachsen viele Kinder nicht mehr in ihren Heimatländern auf und stehen somit im Zwiespalt zwischen der Sprache ihrer Eltern und der Sprache ihrer Umgebung. Die für die Eltern zunächst fremde Sprache ist bei diesen Kindern durch Medien, soziale Kontakte und Schule oft präsenter als die im Elternhaus gesprochene Sprache.

In Zeiten der Globalisierung wachsen Kinder oft auch in Familien auf, in denen ihre Eltern unterschiedliche Sprachen sprechen, die vielleicht nicht einmal der Sprache des Landes entsprechen, in dem die Familie wohnt.

Man spricht daher heutzutage eher von der Erstsprache oder dem ersten Spracherwerb. Hierbei werden weitere Kriterien wie die Schulbildung, die berufliche Ausbildung und die im Studium angewandten Sprachen berücksichtigt. Besonders für Übersetzer von Gebrauchstexten, bei denen eine adäquate Terminologieverwendung in der Zielsprache erwartet wird, sind zudem die Erfahrungen im Sachgebiet der Übersetzung wichtiger als diejenigen aus der Schulzeit. In der ISO 17100 wird daher nicht direkt auf die Muttersprache abgestellt, sondern es werden angemessene Kenntnisse sowohl in der Ausgangs- als auch in der Zielsprache gefordert. Diese Anforderungen werden zumeist von denjenigen Übersetzern am besten erfüllt, bei denen die Erstsprache auch die Muttersprache ist und die zusätzlich die wichtigen Erfahrungen im Sachgebiet in der jeweiligen Sprache erlangt haben.

Die Muttersprache, also eigentlich die Erstsprache, ist ein wichtiges Kriterium für die Auswahl von Übersetzern, muss jedoch differenziert betrachtet und durch weitere Qualifikationskriterien ergänzt werden. Diese Kriterien sowie deren Erfüllung dokumentieren wir für jeden einzelnen Übersetzer in Übersetzerprofilen, die wiederum die Grundlage für die Auswahl der von uns für einen bestimmten Auftrag eingesetzten Übersetzer darstellen.