Menschen waren schon immer gesellig. Wir fühlen uns gerne vernetzt, als Teil einer Gemeinschaft, eng verbunden mit Familie und Freunden. Deshalb sind Social-Media-Plattformen aus unserem Leben heute nicht mehr wegzudenken. Das Teilen von Bildern und Videos und die unmittelbare Kommunikation gehören inzwischen zu unseren täglichen Ritualen. Rund 56 % der Weltbevölkerung sind inzwischen sozial vernetzt. Sie verbringen durchschnittlich mehr als zwei Stunden und 27 Minuten am Tag auf ihren Lieblingsplattformen. Das ist unglaublich, wenn man bedenkt, dass MySpace – das erste erfolgreiche soziale Netzwerk – vor weniger als 20 Jahren eingeführt wurde.
 
Aber wie haben soziale Medien unsere Kommunikation verändert? Vielleicht glauben Sie, sie hätte sich gar nicht verändert, aber es gibt viele Anzeichen dafür, dass wir heute anderes kommunizieren und dass auch die Sprache, die wir privat und beruflich verwenden, anders geworden ist.
 
Denken Sie an Ihre Arbeits-E-Mails. Sie sind viel kürzer, weniger formell und zielgerichteter als noch vor fünf Jahren. Wahrscheinlich verwenden Sie „ich“ oder „es ist“ viel seltener.  Statt „Das klingt gut!“ oder „Wir sehen uns heute Nachmittag“ schreiben Sie vielleicht eher „Klingt gut!“ und „Bis dann“. Die Kürze unserer privaten Kommunikation spiegelt sich oft in unserer beruflichen Kommunikation wider.
 
Der Kontakt mit verschiedenen Kulturen und die globale Natur sozialer Netzwerke bedeutet zudem, dass wir mehr Wörter und Ausdrücke aus anderen Sprachen und Kulturen übernehmen. „Social Media“ und „Lockdown“ sind nur zwei Beispiele für englische Wörter, die wir übernommen haben. Auch Kaffee „To Go“ ist heute ganz normal geworden. So haben sich viele englische oder amerikanische Begriffe im Deutschen etabliert. Nicht zu vergessen das allgegenwärtige „cool“. Vor 20 Jahren hatte es vielleicht noch Seltenheitswert. Heute kennt es jeder.
 
Doch wie ist es in anderen Sprachen? Haben sich auch Französisch, Italienisch, Russisch oder Kantonesisch durch soziale Medien verändert – und wenn ja, wie? Wir wollten es herausfinden. Zu diesem Zweck haben wir kürzlich eine weltweite Umfrage unter unseren 1.600 Linguisten durchgeführt, um zu verstehen, wie sich ihre eigene Sprache durch Social-Media-Kommunikation und Popkultur verändert hat. Wie ein Übersetzer erklärt, ist „cuz“ – die verkürzte Version des englischen „because“ (weil) – in die kantonesische Sprache eingegangen. Es wird heute häufig neben traditionellen kantonesischen Symbolen verwendet. Ein anderer Übersetzer erklärt, das „LOL“ mittlerweile von Italienern häufig verwendet wird.
 
Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie verschiedene Sprachen nicht nur englische Begriffe ausleihen, sondern die verkürzten Versionen verwenden, die häufig in sozialen Netzwerken verwendet werden. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir die Beobachtungen unserer Übersetzer veröffentlichen. Das reicht von Lieblingswörtern über die Gründe, warum sie Sprache lieben, bis hin zu Wörtern, die ihrer Meinung nach in den nächsten 25 Jahren aussterben werden. Folgen Sie #WeLoveLanguage, diskutieren Sie mit! Und vergessen Sie nicht, unsere spezielle Infomaterial-Seite mit Einblicken und Videos unserer Übersetzer zu besuchen.